Was ist die DIN 6868-157?
Die DIN 6868-157 ("Sicherung der Bildqualität in röntgendiagnostischen Betrieben – Teil 157: Abnahme- und Konstanzprüfung nach RöV an Bildwiedergabesystemen in ihrer Umgebung") legt fest, wie Befund- und Betrachtungsmonitore in Radiologie, Zahnmedizin und angrenzenden Fachbereichen regelmäßig auf ihre Bildqualität geprüft werden müssen. Ziel ist, dass ein Bildwiedergabesystem (BWS) über seine gesamte Nutzungsdauer eine diagnostisch verlässliche Darstellung liefert.
Abnahmeprüfung
Einmalige Prüfung direkt nach Installation eines Bildwiedergabesystems und vor der Inbetriebnahme. Die Messwerte werden als Bezugswerte für alle künftigen Konstanzprüfungen hinterlegt.
Konstanzprüfung
Wiederkehrende Prüfung in festen Intervallen (arbeitstäglich bzw. halbjährlich), die Veränderungen gegenüber den Bezugswerten aus der Abnahmeprüfung aufdeckt.
Bildwiedergabesystem (BWS)
Der gesamte Arbeitsplatz: Computer, Grafikkarte, Anwendungssoftware und alle angeschlossenen Bildwiedergabegeräte (Monitore/Displays).
Voraussetzungen vor der Prüfung
Bevor eine Abnahme- oder Konstanzprüfung überhaupt aussagekräftig ist, müssen folgende Punkte erfüllt sein:
- Das Bildwiedergabesystem muss in der medizinischen Anwendung betrieben werden, in der es später auch genutzt wird.
- Alle Änderungen am BWS (Anwendungssoftware, Displays, Grafikkarte) müssen erkennbar sein.
- Die Displays müssen vor Prüfbeginn gereinigt werden.
- Es darf keine störende Reflexion durch Raumbeleuchtung, Fenster oder Kleidung auf dem Bildschirm auftreten.
- Die Raumbeleuchtung muss während Prüfung und Arbeitsbetrieb gleich und stabil sein.
- Das Display muss nach Herstellervorgabe oder mindestens 30 Minuten aufgewärmt werden.
- Bei Displays mit Befundqualität muss die DICOM-Kurve (GSDF) eingestellt bzw. kalibriert sein.
- Die Testbilder müssen exakt der Auflösung des Displays entsprechen (1 Pixel Bild = 1 Pixel Display).
- Die Prüfung erfolgt unter den Raumbedingungen der vom Strahlenschutzverantwortlichen festgelegten Raumklasse.
Prüfmittel: Messgeräte und Testbilder
Leuchtdichte-Messgeräte
Für die Abnahmeprüfung ist ein kalibriertes Teleskop-Leuchtdichtemessgerät (Abstandsmessung) vorgeschrieben. Für die Konstanzprüfung genügen auch Nahbereichs-Photometer, front- oder rückseitig integrierte Sensoren. Für die Beleuchtungsstärke wird zusätzlich ein Beleuchtungsstärkemessgerät benötigt.
AAPM-Testbilder (TG18)
Vorgeschrieben sind unter anderem TG18-OIQ, TG18-UN80, TG18-UN10, TG18-MP, TG18-LN8-01 bis -18 sowie die Linienpaar-Testbilder TG18-LPH/-LPV 10/50/89. Jedes Testbild muss pixelgenau in Displayauflösung dargestellt werden.
Raumklassen RK1–RK6
Je nach Nutzung des Bildwiedergabesystems gelten unterschiedliche Grenzwerte, Prüfungen und maximale Beleuchtungsstärken. Grundsätzlich wird zwischen Befundqualität (diagnostische Aussagen) und Betrachtungsqualität (Ansicht bereits diagnostizierter Bilder) unterschieden.
| Raumklasse | Typischer Raum | Tätigkeit | Klassifikation | Max. Beleuchtungsstärke |
|---|---|---|---|---|
| RK1 | Befundungsraum | Befundung von Radiographie und Schnittbildern | Befundqualität | ≤ 50 lx |
| RK2 | Untersuchungsraum mit sofortiger Befundung | Therapierelevante Entscheidungen direkt am BWS | Befundqualität | ≤ 100 lx |
| RK3 | Raum zur Untersuchungsführung | Untersuchungsführung über Dialogmonitor, meist Hochkontrastobjekte | Befundqualität | ≤ 500 lx |
| RK4 | Betrachtungs- und Behandlungsraum | Repetitives Nachvollziehen bekannter Befunde (z. B. OP, Repositionen) | Betrachtungsqualität | ≤ 1000 lx |
| RK5 | Zahnärztlicher Befundungsarbeitsplatz | Befundung außerhalb der Behandlungsplatz-Beleuchtung | Befundqualität | ≤ 100 lx |
| RK6 | Zahnärztlicher Behandlungsraum | Befundung unter Behandlungsplatz-Beleuchtung | Befundqualität | ≤ 1000 lx |
Die Beleuchtungsstärke wird bei ausgeschaltetem Display orthogonal zur Bildschirmoberfläche gemessen.
Abnahmeprüfung für Bildwiedergabesysteme mit Befundqualität
Die Abnahmeprüfung umfasst visuelle und messtechnische Prüfungen. Alle Ergebnisse werden als Bezugswerte für spätere Konstanzprüfungen dokumentiert.
Visuelle Prüfungen
TG18-OIQ – Gesamtbildqualität: Sichtbarkeit von Linienpaar-Rastern, Kontrastfeldern, dem Schriftzug „QUALITY CONTROL" (je nach Raumklasse) und Bildgeometrie ohne Verschiebung oder Beschneidung.
TG18-MP – Graustufenauflösung: Prüfung, ob in den vertikalen Balken mindestens eine horizontale Konturlinie je 8-Bit-Marker erkennbar ist (nicht erforderlich bei RK5/RK6).
TG18-UN80 – Homogenität & Farbeindruck: Beurteilung störender Ungleichmäßigkeiten und Farbabweichungen über den Bildschirm, auch bei Mehrfachmonitor-Systemen.
TG18-UN10/-UN80 – Pixelfehler: Auszählung nach Fehlerart A–D mit Vergrößerungsglas; zulässige Anzahl abhängig von Displayauflösung und Körperregion.
TG18-LPH/-LPV 10/50/89 – Linienstrukturen: Sichtbarkeitsprüfung horizontaler und vertikaler Linien (nur RK1 und Mammographie).
Messtechnische Prüfungen
Minimale & maximale Leuchtdichte (L'min, L'max): Messung am Bildschirmmittelpunkt mit Teleskop-Messgerät (TG18-LN8-01 / -LN8-18).
Schleierleuchtdichte (L_amb): Messung am ausgeschalteten Display, relevant für die Berechnung von L'max/L'min.
Homogenität (H): H = 200 × (L_highest − L_lowest) / (L_highest + L_lowest) an 5 bzw. 9 Punkten (bei ≥ 23 Zoll Diagonale), bei 10 % und 80 % des maximalen DDL.
Leuchtdichte-Kennlinie (GSDF): Ermittlung über TG18-LN8-01 bis -18 im Abgleich mit der DICOM-GSDF-Kurve, ausgewertet mit geeigneter Software.
Beleuchtungsstärke: Messung senkrecht zur Bildschirmoberfläche bei ausgeschaltetem Gerät, Einheit Lux.
Mindestanforderungen (Auszug, ohne Mammographie)
| Körperregion / Methode | Max. Leuchtdichte | Matrix | Homogenität BWG | Homogenität zw. BWG |
|---|---|---|---|---|
| Projektionsradiographie (Thorax, Skelett, Abdomen) | ≥ 250 cd/m² | ≥ 1600 × 1200 | < 25 % | < 20 % |
| Durchleuchtung (Fluoroskopie) | ≥ 150 cd/m² | ≥ 1024 × 1024 | < 25 % | < 20 % |
| Computertomographie | ≥ 150 cd/m² | ≥ 1024 × 1024 | < 25 % | < 20 % |
| Mammographie (zusätzlich Linienstruktur-Prüfung) | ≥ 250 cd/m² | ≥ 2048 × 2048 | < 25 % | < 10 % |
Vereinfachter Auszug. Vollständige Werte inkl. Pixelfehler-Grenzwerten je Fehlerart und Mindestpixelgröße enthält die Norm selbst.
Konstanzprüfung: Intervalle und Bezugswerte
Wurde die Abnahmeprüfung bestanden, dienen die gemessenen Werte als Bezugswerte für alle folgenden Konstanzprüfungen.
Arbeitstäglich
Visuelle Prüfung der Gesamtbildqualität mit TG18-OIQ: Sichtbarkeit von Kontrastfeldern, Schriftzug und Rasterlinien – schnell und ohne Messgerät durchführbar.
Halbjährlich
Homogenität, Farbgleichmäßigkeit, Leuchtdichte-Kennlinie (GSDF) und Beleuchtungsstärke – messtechnisch, mit denselben Grenzwerten wie bei der Abnahmeprüfung.
Abweichung > 20 %
Es müssen Maßnahmen ergriffen werden, um ein weiteres Abweichen von den Bezugswerten zu verhindern.
Abweichung > 30 %
Es muss eine Fehlerbehebung erfolgen. Danach ist eine neue Konstanz- oder ggf. Abnahmeprüfung zwingend erforderlich.
Hinweis: Liegt die Schleierleuchtdichte unter 0,15 cd/m², muss eine negative Abweichung zum Bezugswert nicht berücksichtigt werden. Für RK3, RK5 und RK6 sind einzelne messtechnische Prüfungen bei der Konstanzprüfung nicht erforderlich.
Abnahme- und Konstanzprüfung automatisieren
Manuelles Ausmessen, Protokollieren und Terminieren kostet Zeit. PerfectLum von QUBYX führt Abnahme- und Konstanzprüfungen nach DIN 6868-157 (sowie DIN 6868-57, AAPM TG18, ACR, NY/NYC PDM) automatisiert durch, kalibriert nach der DICOM-GSDF-Kurve und erstellt lückenlose Prüfberichte für jeden Arbeitsplatz.
Glossar der wichtigsten Begriffe
Die zentralen Fachbegriffe der DIN 6868-157 auf einen Blick.
- Abnahmeprüfung (Acceptance Test)
- Prüfung eines Bildwiedergabesystems direkt nach Installation und vor Inbetriebnahme. Ergebnisse werden als Bezugswerte hinterlegt.
- Konstanzprüfung (Constancy Test)
- Regelmäßig wiederkehrende Prüfung zur Feststellung und Dokumentation von Veränderungen gegenüber den Bezugswerten.
- Befundqualität (Diagnostic-quality)
- Darstellungsqualität, die diagnostische Aussagen und ärztliche Entscheidungen erlaubt.
- Betrachtungsqualität (Reviewing-quality)
- Darstellungsqualität zur erneuten Ansicht bereits diagnostizierter Bilder.
- Bildwiedergabegerät – BWG
- In der Regel ein Monitor, alternativ ein anderes Display wie ein Projektor.
- Bildwiedergabesystem – BWS
- Der komplette Arbeitsplatz: Computer, Grafikkarte, Anwendungssoftware und alle angeschlossenen Displays.
- GSDF (Graustufen-Standard-Display-Funktion)
- Funktion zur Wiedergabe von Graustufen, bekannt als DICOM-Kurve bzw. DICOM GSDF Part 14 (Barten-Kurve).
- Homogenität der Leuchtdichte (H)
- Gleichförmigkeit der Helligkeitsverteilung auf einem oder über mehrere Displays.
- Leuchtdichte (L)
- Beschreibt die Helligkeit flächenhafter Lichtquellen, Einheit cd/m².
- Schleierleuchtdichte (L_amb)
- Leuchtdichte, die durch Reflexion des Umgebungslichts auf der Displayoberfläche erzeugt wird.
- Beleuchtungsstärke (E)
- Stärke des auf eine Fläche fallenden Lichtstroms, Einheit Lux (lx).
- Klinisches Referenzbild
- Ein für die Anwendung typisches medizinisches Bild mit Bildelementen, die Rückschlüsse auf die Bildwiedergabequalität erlauben.